Autor: Ursula Steinhübl

  • Dronfielder Bürger in Sindelfingen auf Gegenbesuch

    Dronfielder Bürger in Sindelfingen auf Gegenbesuch

    Die Initiative Städtepartnerschaften Sindelfingen e.V. (ISPAS) hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, durch Bürgerfahrten und Gegenbesuche der Bürger aus den Partnerstädten den europäischen Gedanken zu fördern. Mit Dronfield hat es sich so gefügt, dass man alle zwei Jahre abwechselnd eine Bürgerfahrt veranstaltet. Nachdem 2016 die Sindelfinger in Dronfield gewesen waren, fand der Gegenbesuch dieses Jahr vom 20. bis 24. September statt.

    Die für die Partnerstadt und den Besuch zuständigen Dagmar Böhm, Ute Walker und Martin Hess hatten ein interessantes und von allen sehr gelobtes Programm auf die Beine gestellt.
    Die Besucher wurden mit dem Bus vom Flughafen abgeholt. Beim Empfang im Rathaus und dem Abendessen, zu dem die Stadt eingeladen hatte, konnten die ersten Kontakte geknüpft werden.

    Am zweiten Tag nahmen zwei Gruppen abwechselnd an einer Daimlerführung und einem Stadtrundgang teil. Nach einer kurzen Ruhepause boten die Stadtwerke einen Vortrag, ein Besuch des Wasserwerks und ein schmackhaftes Abendessen an.

    Tags darauf fuhr man mit der S-Bahn nach Esslingen, wo Andreas Schneider-Dölker durch die Stadt führte. Besonders bemerkenswert fanden die Besucher die Führung und Verkostung in der Kessler-Sektkellerei. Anschließend gab es eine Neuerung: Die Dronfielder waren von ISPAS-Mitgliedern und -Freunden zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen worden. Die Organisatorinnen und Organisatoren waren nicht ganz sicher, wie es ankommen würde, aber alle Beteiligten äußerten sich begeistert. Einige der Besucher waren noch nie in Deutschland gewesen, geschweige denn in Sindelfingen, deshalb fanden sie es besonders schön, die Lebensgewohnheite hier in privater Atmosphäre näher kennenzulernen.

    Am dritten Tag begann für die Gruppe der nächste Ausflug  schon früh. Es ging auf die Burg Hohenzollern und nach Tübingen. Die Aussicht von der Burg aus war überwältigend  und sehr klar. Auch wenn man sich gegen den Sturm anstemmen musste, wurden doch viele Fotos geschossen.

    In Tübingen waren die Engländer begeistert von Blumenschmuck überall, den Stocherkähnen und den schönen gepflegten alten Häusern.
    Man wäre gerne noch länger geblieben, aber nach einer Atempause im Hotel wartete schon der ISPAS-Abend im Odeon der SMTT. Die Besucher wollten eigentlich gemütlich vom Hotel zur Musikschule gehen, das verhinderte jedoch ein gewaltiger Regenguss. Ein kurzer Rundruf – und sofort waren die Privatautos unterwegs. Auf die ISPAS-Helfer kann man sich eben immer verlassen.

    Auch der ISPAS-Abend war ein voller Erfolg. Nach dem Sektempfang im Foyer und den Dankesreden im Odeon gab es einen Rückblick – untermalt von einer Bilder-Präsentation – auf die Bürgerfahrt der Sindelfinger nach Dronfield. Das bei ISPAS oft und gerne eingesetzte Trio Quintfall unterhielt gekonnt mit Salonmusik der 30er-Jahre und mit Swing, inhaltlich auch bezogen auf die britischen Besucher. Unterbrochen nur von Reden und vom gemeinsamen Singen aller Anwesenden. Die Dronfielder Organisatoren Janet Smith und David Goater hatten Liedtexte auf Englisch und Deutsch vorbereitet wie Wooden Heart (Muss i denn), Penny Lane oder What a wonderful world. Mit Amazing Grace, wiederum unterstützt durch das Trio Quintfall endete das Singen, und der Small Talk untereinander wurde fortgesetzt.

    Vor dem nachmittäglichen Abflug am Montag blieb noch Zeit für einen geführten Rundgang über das Flugfeld und wahlweise einen Lunch dort oder Shopping in den Mercaden. Bei allen herrschte der Gedanke vor: Wir haben Europa aktiv erlebt.

     

  • Chelm – Rückblick und Beginn der Partnerschaft

    Flag of Chełm

    Ursprung und Beginn der Partnerschaft

    Vor 18 Jahren kam erstmals eine Gruppe von Schülern und Lehrern aus Sindelfingen ans Stefan-Czarniecki-Lyzeum. Für uns alle bedeutete das zunächst eine Reise in ein unbekanntes Land zu unbekannten Menschen. Unbekannt, obwohl man besonders in Südwestdeutschland vor 170 Jahren den vertriebenen freiheitsliebenden Polen zugejubelt hat. Einer von ihnen führte damals die revolutionären badischen Demokraten gegen die preußische Militärmaschine. Später ist eben alles geschehen, um diese Verbundenheit vergessen zu machen.

    Einige Empfindungen, die ich bei diesem ersten Besuch hatte, habe ich im Oktober 2000 versucht einzufangen.

    Solidarität und Verständnis

    In unserer Partnerschule geht es geschäftiger zu als am Goldberg-Gymnasium. Es gibt nur erwachsene Schüler der Oberstufe, die in den Pausen durch die Gänge ziehen und ihre Fachräume suchen. Die Wege sind labyrinthisch. Auf der Toilette findet sich der deutsche Kollege kaum zurecht. Der Zigarettenrauch ist wie Nebel: Er hustet und weiß nicht mehr, was er dort eigentlich will. Die polnischen Gastgeber geben sich resigniert: „Es gibt bei uns keine Raucherecke“.

    Was soll überhaupt Perfektion? In Chelm erscheint uns das Straßenpflaster manchmal holprig. Viele Fassaden sind noch blass oder eingerüstet. Der freundliche Schutzgeist, weiß gewandet, der in den Katakomben des Kreidebergwerks unter der Stadt erscheint, erteilt Mahnungen und Rat, aber auf Polnisch. Dann wartet er auf die Übersetzung. Das dauert eine Weile, aber Improvisation ist alles.

    Noblesse und Toleranz

    Die Adelsfamilie der Zamojski hatte in der Nähe ein Schloss. Heute ist es Staatsbesitz, mit Sorgfalt restauriert, der Park hoch gepflegt. Das letzte Gemälde der Ahnenreihe zeigt die Familie um 1930: die Hausherrin, jung, vornehm, im hellen Kleid. Sicher, auch  hier wurde Personal ausgebeutet. Aber der Vorfahr Jan Zamojski hat in der Nachbarschaft die Renaissance-Stadt Zamosc gegründet. In ihr lebten Polen, Juden, Deutsche, Armenier, Griechen, Russen und Türken friedlich zusammen. Rosa Luxemburg ist dort geboren. Unter den Nazis sollte sie den Namen „Heinrich-Himmler-Stadt“ bekommen.

    Tradition mit Mut zum Pathos

    Alle zehn Jahre treffen sich im Stefan-Czarniecki-Lyceum die Ehemaligen. Ein Weißhaariger und ein Junger tragen die Fahnen der Schule zur Tribüne im Hof. Reden werden gehalten. Dann singen alle die Nationalhymne „Noch ist Polen nicht verloren…“

    Am Abend geht man zum Schulball in der Sporthalle. Der Kollege vom GGS nippt muffig an seinem Wodka. Er liebt die Konversation, aber auf Deutsch, Englisch oder Französisch ist nichts zu erreichen. Die Gastgeberinnen haben sich zu ihren alten Abiturienten davongemacht. Da, der Lichtblick: Eine junge Dame fordert ihn zu einem Tänzchen auf. Nach der flotten Rock-Runde verabschiedet er sich mit der Verbeugung, die er in der Tanzstunde gelernt hat. Sie deutet lächelnd einen Knicks an.

    Entsetzen und Mitleid 

    Besichtigung des Konzentrationslagers Majdanek. Wir werden in die Häftlingsbaracken geführt. Von hier aus ging es für die Gedemütigten in die Gaskammern. Man zeigt an der Decke die Öffnungen, durch die das Gift geworfen wurde. An den Öfen des Krematoriums vorbei  schließlich zum Aschehügel mit den weißlichen Knochensplittern. Er hat vierzig Meter Durchmesser und ist mehrere Meter hoch. Heute liegt er unter einer Betonkuppel. Der herbstliche Ostwind ist kalt. Wenn die Hölle je auf die Erde kam, dann hier.

    In Krakau gibt es die Judenstadt Kasimierz. Auf der Breiten Straße wurden Szenen für den Film „Schindlers Liste“ gedreht. In der Synagoge liegen elf Gebetbücher auf den Pulten. Sie gehören denen, die von 70 000 übrig geblieben sind. Am Abend trinken wir ein Bier in einer Wirtschaft, die aussieht wie Großmutters Wohnstube. Häkeldeckchen auf den Tischen, ein Sofa in der Ecke.  Drei  junge Leute spielen jiddische Klezmermusik. Es sind Polen, Studenten der Krakauer Musikhochschule.

    Zeitlosigkeit

     Am Ufer des Bug läuft die Grenze zu Weißrussland. Inmitten von Wiesen liegt das Kloster des heiligen Onufrios unter alten Bäumen. Die orthodoxen Mönche beten seit 500 Jahren und ringen um die Vereinigung mit Gott. Der Fluss strömt unter den herabhängenden Ästen murmelnd  rasch vorbei. Bei Hochwasser wird der Platz des Klosters zur Insel.

    Gastfreundschaft

     Wir hörten, die Goldbergler fühlten sich wohl bei ihren Gastfamilien. Es gab große Trauer beim Abschied. Die Verständigung ging auf Deutsch, Englisch, Französisch vor sich. Wenn die deutschen Lehrer doch schon so viel Polnisch gelernt hätten wie ihre Eleven! Am Abend trifft man sich unter Freunden zum Grillfest in einem frühherbstlichen Garten. Die Bewirtung ist üppig. Dann die Gesänge zu Gitarre und Akkordeon: „Wir versaufen unsrer Oma ihr klein Häuschen…“ auf Polnisch. „Kalinka“ weist nach Osten.

    Das Wodkaglas wird aufmerksam immer wieder gefüllt. Heimlich lässt der undankbare Gast den Inhalt auf den Boden fließen. Im Gras fällt das nicht weiter auf.

    Und jetzt:

     Beim gemeinsamen Besuch in Heidelberg im Frühjahr 2009 waren die polnischen Schüler und ihre deutschen Gastgeber nicht mehr auseinanderzuhalten. Sie waren nun e i n e Gruppe.

    Die Spur dieser Erfahrungen, die die polnischen Freunde uns vermittelt haben, hat sich in den folgenden Jahren tief eingegraben. Sie führt weg von historischem Vorurteil und politischem Gezänk. Niemand darf die Katastrophen der Vergangenheit vergessen. Aber da ist für die Alten zum Glück die Chance, für die Jungen die Gewissheit des Neuanfangs bei einem offenen Zusammenleben in Europa.

    Der Gemeinderat nimmt später die Anregung durch die Schule auf und begründet die Städtepartnerschaft.

    Gerhard Böhm

     

     

     

  • Nachlese zur Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes

    Nachlese zur Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes

    Liebe Mitreisende der Bürgerfahrt!

    Leider konnte der Termin der Nachlese unserer Bürgerfahrt am Sonntag, 16.09. im Vereinsheim der Gartenfreunde Ochsenallmende nicht wahrgenommen werden, da zu viele der Mitreisenden nicht in Sindelfingen sind und zu wenige Anmeldungen eingingen. Deshalb nun ein neuer Termin am alten Ort: Samstag, 20. Oktober, 19 Uhr

  • Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes

    Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes

    Bericht einer Teilnehmerin:
    Donnerstag, 28.06.2018
    6.30 Uhr Abfahrt der 42 Reisenden am Glaspalast. Die Anreise nach Corbeil-Essonnes führte über Reims. Erster Aufenthalt mit Führung durch die Kathedrale Notre-Dame. Beginn der Führung war vor der geschichtsträchtigen Kathedrale. Sie ist eine der bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs mit zwei Rosetten über dem Hauptportal, was einzigartig ist.

    Die beiden Rosetten im Eingangsbereich,

    Nicht nur deshalb gehört sie seit 1991 zum Unesco-Weltkulturerbe. Ihre Fassade mit den vielen Durchbrüchen ist bemerkenswert durch die vielen meterhohen Skulpturen unter anderem auch die der 4,30 m hohen Figuren der Königsgalerie der französischen Könige ab Chlodwig I. Die Kathedrale war die Krönungskirche der französischen Könige. Die Bedeutung dieses Monuments historique führte zur teilweisen Zerstörung im Ersten Weltkrieg. Dadurch wurden zum Beispiel auch die historischen Fenster zerstört und konnten nur langsam durch Spenden ersetzt werden.

    Die Chagall-Fenster

    Die Achskapelle in der Mitte des Chorraums wurde 1974 durch Marc Chagall mit neuen Fenstern ausgestattet. Eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. In den beiden Kapellen links und rechts davon sind seit 2011 abstrakte Fenster des Künstlers Imi Knoebel zu sehen, die bewusst in ihrer Farbgebung den Fenstern Chagalls angeglichen sind.

    Die Kathedrale ist auch ein Symbol der deutsch-französischen Beziehungen: Vor dem Hintergrund der Zerstörung im Ersten Weltkrieg war sie am 8. Juli 1962 der Ort einer Messe, an der Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer während eines Staatsbesuchs demonstrativ teilnahmen. Worauf eine in den Boden eingelassene Steintafel vor dem Haupteingang der Kathedrale hinweist. Der Beginn der deutsch-französischen Freundschaft. Anlässlich der 50. Jubiläums dieser Messe fand dort am 8. Juli 2012 eine Begegnung von Staatspräsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel statt.

           Gedenktafel vor der Kathedrale

    Nach so viel Kunst und Geschichte gestaltete sich der Stopp in der nahegelegenen Champagner-Kellerei ganz anders. Die Führung war interessant und strapaziös durch die vielen Treppen, dankenswerterweise durch den übersetzenden Reiseteilnehmer Claus Lehners verständlich, jedoch auch erholsam durch die Verkostung und die liebevoll hergerichteten Snacks. Natürlich musste die ein oder andere Flasche mit nach Sindelfingen. Ein Glück war dafür noch Platz im Bus.
    Ein gemeinsames Abendessen im Hotel Campanile am Zielort schloss den Tag ab.

    Freitag 29.06.2018

    Dieser Tag wurde durch die Stadt Corbeil-Essonnes gestaltet. Es wurde allen geraten, auf dem Weg zum Rathaus die wunderschöne große Markthalle, erbaut 1893, zu besuchen. Sehr opulent. Zum Glück war auch gerade Krämermarkt, so dass viele schöne Bilder entstanden.
    Jean-Michel Fritz, der Erste Beigeordnete und Kulturbürgermeister der Stadt Corbeil-Essonnes, begrüßte alle recht herzlich und erklärte einiges zur Geschichte des Rathauses und der Stadt Corbeil-Essonnes, perfekt und engagiert übersetzt von Peter Bausch, allen bekannt als Sindelfinger Redakteur und wahrer Kenner Frankreichs und Corbeil-Essonnes.


    Empfang im Eingangsbereich durch Kulturbürgermeister Jean-Michel Fritz, der die Geschichte des Rathauses erklärt, und Stadtrat Yacine Amer

    Anwesend war auch der jüngste Stadtrat Corbeil-Essonnes, Yacine Amer, der Sindelfingen durch „Jugend in Aktion“ kennenlernte und dieses Jahr am Straßenfest im französischen Stand Champagner ausgeschenkt hatte. Im Empfangssaal des historischen Rathauses wurden die Sindelfinger mit einem spektakulären Blick auf die Seine belohnt, ebenfalls mit Champagner und Häppchen noch einmal willkommen geheißen sowie nach ein wenig Small Talk mit einem Mittagessen bewirtet. Monsieur Fritz ließ es sich anschließend nicht nehmen, persönlich seine Gäste durch seine Stadt zu führen.
    Zuerst zur Kathedrale St-Spire (hl. Exuperius), gegründet 950, um die Reliquie des Heiligen unterzubringen, erbaut in der jetzigen Form im 12. Jhd., eingeweiht 1437.
    Danach stellte er die städtische Galerie vor mit der Ausstellung „Opus symphoniques“ des Künstlers Christophe Mabillon. Der Skulpteur und Maler war selbst anwesend und man konnte ihn zu seinem Werk befragen. Hauptsächlich Gitarren aus Gestein der Region gefertigt. Beeindruckend. Zufällig betrat gerade der Sindelfinger Künstler Joachim Kupke die Galerie, um sich die neueste Ausstellung anzuschauen, als die Sindelfinger Reisegruppe diese verließ.

    Vorbei am Jugendzentrum Fernand Léger mit seiner Mosaikfassade führte der Weg zum großen städtischen Theater. Ständig bespielt, aber mit wechselnden Ensembles. Kinder und Jugendliche werden an die darstellende Kunst herangeführt durch geförderte Workshops. Ein sichtlich stolzer technischer Leiter und der künstlerische Leiter stellten ihr Haus vor und boten einen Blick hinter die Kulissen an. Die ersten Reihen des Zuschauerraums können gedreht werden, es gibt einen Orchestergraben. Die Seiten sind so gestaltet worden, dass die Akustik unglaublich gut ist. Getestet von Reiseteilnehmer Uli Becker, der mutig ein Lied zum Besten gab. Ein aktiver Teil der Sindelfinger Besucher stieg Treppen hinauf und hinab und erprobte die interessante Technik, der fußlahme Teil erholte sich in den bequemen Theatersesseln. Das Ganze wurde souverän übersetzt von einer Bekannten Peter Bauschs, Leiterin des Goethe-Instituts in Hamburg, die ebenfalls wegen des Musikfestivals in Corbeil-Essonnes war.
    Nach dem Theater führte Jean-Michel Fritz seine Gäste zur Commanderie Saint Jean. Das ist die Kapelle des Malteserordens, die als einziges Gebäude des Malteser-Ensembles noch erhalten geblieben ist. Sie wird für Kunstausstellungen und andere künstlerische Events genutzt. Zurzeit gibt es die dort die Ausstellung „Pousser les murs“ (Mauern einstoßen oder sich vergrößern) der Societé d’art (Künstlervereinigung) de Corbeil-Essonnes. Schon interessant, wie verschieden sich die einzelnen Künstler dieses Themas angenommen haben.

    Weiter ging es zu Fuß zum Stadtpark, in dem das Jazz Festival abends beginnen sollte. Erschöpft von der Hitze, dem Fußmarsch und den tiefen Eindrücken nahmen die Sindelfinger dankbar das Abendessen der Freiwilligen, die das der Festival am Laufen halten, entgegen. Das Ganze untermalt durch die Proben für die Abendaufführung der städtischen Musikschule. Wunderbare kräftige Stimmen und gute Musik. Einige hatten sich vorgenommen, die Eröffnung abends anzuhören. Aber mit Blick auf die nicht vorhandenen Sitzmöglichkeiten, die eineinhalb Stunden Wartezeit, die Hitze und die Musik, die man teils ja schon gehört hatte, entschlossen sich die meisten, in das Hotel zurückzukehren. Nur ein harter Kern blieb.


    Der Kulturbürgermeister hatte vollstes Verständnis. Die Vorsitzende Brigitte Stegmaier bedankte sich noch einmal herzlich bei ihm und der Bus fuhr ins Hotel zurück, wo man den Abend gemütlich auf der Terrasse ausklingen ließ. Auch zusammen mit der Sindelfinger Band „If you wanted to“. Es war eigentlich geplant gewesen, diese Sindelfinger Band anzuhören. Aber die Auftrittspläne des Festivals und die Pläne der Stadt Corbeil-Essonnes für die Bürgerfahrt passten in dieser Hinsicht leider nicht zusammen.

    Samstag 30.06.2018

    Pünktlich um 9.30 Uhr startete die Reisegruppe zusammen mit OB Dr. Bernd Vöhringer nach Giverny in der Normandie zum Besuch der berühmten Gärten des Malers Claude Monet. Leider waren Ferienbeginn und Wochenende zusammengefallen und deshalb sowohl die Nationalstraße als auch die Autobahn durch Staus verstopft. Also wurden in Giverny die beiden Besichtigungsgruppen zusammengelegt; das ging ganz gut, weil weniger Besucher als sonst Monets Gärten und das Haus sehen und fotografieren wollten. Wunderschöne Anlagen, die nach Monets Vorgaben angelegt und gepflegt wurden. Sie wirkten auch besonders, weil Sonnenschein die Blumen duften und strahlen ließ. Im Innern des Hauses konnte man sich das Familienleben Monets ganz gut vorstellen, sehr interessant auch die Erklärungen der Führerin dazu.

    Die Rückfahrt nach Paris ging schneller und so war man pünktlich vor dem Schloss in Versailles. Die Reisegruppe wurde geteilt. Gruppe 1 fand sich vor dem Einlassbereich des Schlosses ein, Gruppe 2 ging in ein Bistro. Die Hitze mit 34° vor dem Einlassbereich und das lange Warten brachte so manchen an seine Erschöpfungsgrenze. Was für ein riesiges, prächtiges Schloss und viele, viele Menschen darin. Die Pracht dieses Schlosses und der Aufwand, den der Sonnenkönig hier betrieben hat, um seine Adeligen zu kontrollieren, verschlägt einem den Atem.

    Auch wenn man schon darüber gelesen hat, kann man wohl erst dann verstehen, wie all das funktioniert hat, wenn man davorsteht. Auch weil man mit etwas Fantasie die vielen Menschen mit anderen Kleidern versehen und sich so das Hofleben vorstellen kann.
    Anschließend wechselten die Gruppen den Ort. Um 20 Uhr war Einlass in den Schlosspark für die abendlichen Musik- und Wasserspiele „Les Grandes Eaux Nocturnes“.  Barockmusik, Lichtinstallationen, prächtige Wasserspiele gipfelten um ca. 22.45 in ein wunderschönes Feuerwerk.


    Dazwischen blieb Zeit zur freien Verfügung, um sich beim Herumschlendern alles gemütlich anzusehen oder sich erschöpft auf einer der vielen Bänke auszuruhen. Der fürsorgliche Fahrer hatte den Bus um 23.15 Uhr schon nahe am Ausgang geparkt und so konnten alle um kurz vor eins müde vom anstrengenden Tag ihre Zimmer aufsuchen.

    Sonntag 01.07.2018

    Nach einem späten Frühstück war der nächste Programmpunkt das nicht weit entfernte Dorf Barbizon. Es liegt am Wald von Fontainebleau und ist berühmt wegen der Künstlerkolonie um Jean-François Millet. Mit Erfindung der Eisenbahn und der Tubenfarben Anfang des 19. Jahrhunderts konnten die Maler einfach von Paris nach Barbizon fahren und in der freien Natur malen. Der Wald von Fontainebleau mit seinem besonderen Licht hatte es ihnen angetan und so siedelten sich auch einige von ihnen hier an. Es entstand eine freie Gruppe von befreundeten Künstlerkollegen, die einen starken Einfluss auf die europäische Landschaftsmalerei ausübte und den Impressionismus vorbereitete. Der geführte Rundgang begann in Barbizon und folgte dem Weg der Landschaftsmaler durch den Wald von Fontainebleau mit interessanten Bildern, Anekdoten und Erklärungen.
    Es war naheliegend, dass man anschließend auch das Schloss Fontainebleau besuchte. Napoleons Gemächer, seine Geschichte, seine Hinterlassenschaften sind hier ganz nah. Berühmt ist es jedoch vor allem für seine Innenausstattung aus der Zeit der Renaissance, an der vor allem italienische Künstler arbeiteten. Wirklich wundervoll die Grands Apartements, für die, mit Audioguides geführt, alle schwärmten. Das Schloss wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut.  1981 wurde es von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.


    Ludwig der XIV ließ in den Gärten ein neues Parterre im Stil des Barocks, einen Kanal und neue Parks anlegen. Die Parks sind wunderschön, öffentlich und werden von Einheimischen und Touristen, wie man sah, fleißig genutzt. Ein gemeinsames Abendessen beschloss den Tag.

    Montag 02.07.2018

    Sehr früh am Morgen ging es mit einem attraktiven Programm los Richtung Heimat.

    Erster Halt war in Troyes, einer vom Keltenstamm der Tricasses gegründeten, früher sehr bekannten Stadt (Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, Talmud-Gelehrter Raschi, Konzil von Troyes, mittelalterlicher Dichter Chrétien de Troyes mit der Parzival-Erzählung etc.). Der sogenannte Lettner in der Kirche St. Madeleine ist der einzige noch vollständig erhaltene Vorläufer der Kanzel und stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.


    Bei der Führung durch die Kathedrale und die wunderbar restaurierten Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert beeindruckten nicht nur das Fachwissen der Stadtführerin und ihr Charme, sondern auch die Anmut, mit der sie auf 8-cm-Absätzen über das ungleichmäßige Kopfsteinpflaster schwebte. Tiefe Ehrfurcht bei den Damen der Gruppe.

    Chagall-Fenster: Frieden

    Nächster Stopp war in Sarrebourg (Saarburg). Hier war 1970 die Kapelle eines ehemaligen Franziskanerkonvents restauriert worden. Durch den Abbruch eines Gebäudes war die Kapelle nach Osten hin offen. Marc Chagall wurde beauftragt, die Lücke mit einem Buntglasfenster zu schließen. 1976 wurde das monumentale Fenster, das den Frieden als Motiv hat, sowie weitere Seitenfenster fertiggestellt und eingeweiht. Das Bild ist überall präsent, aber wenn man vor dem 12 Meter hohen und 7 Meter breiten Kunstwerk den Kopf in den Nacken legt und ehrfürchtig die Einzelheiten zu entziffern versucht, ist das noch mal etwas anderes.


    Abendessen mit elsässischem Flammkuchen gab es anschließend in Roeschwoog. Dort wurden Busfahrer Hansi Schwab und die anwesenden Mitorganisatorinnen Brigitte Stegmaier und Karoline Hassler von Barbara Speer überrascht, die ein Gedicht vortrug, das von ihr und den kreativen Hinterbänklern im Bus erdacht worden war.

    Das Gedicht:

    Liebe Biggi, liebe Karoline, lieber Hansi,

    Die Reise nach Corbeil,
    sie ist jetzt bald vorbei
    Cinques jours sont passées,
    jetzt kommt das Resümee.

    Die Brigitte, sie reist sehr gern
    in die Partnerstädte nah und fern
    Corbeil-Essonnes war unser Ziel,
    Biggi und Karo planen viel.

    Monet, Chagall, Versailles,
    die Nächte sind kurz,
    der OB dabei.

    Die Sonne sticht,
    die Truppe stöhnt,
    vom Orga-Team wird sie verwöhnt.
    Kapellen – Kirchen – Galerien sind ein Muss,
    wir laufen durch Hitze und Staub
    für den Kunstgenuss.

    Das Reisen im Hassler-Bus uns gut gefällt,
    der Hansi rechtzeitig ein Bier kaltstellt.
    Hansi und die Karoline –
    zusammen sind sie ein super Team

    Elegant tänzelt sie durch den Bus
    für unseren leiblichen Genuss.
    Mit Obst, Gemüse und Hefezopf
    Erfrischt sie unseren Leib und Kopf.

    Karoline verbreitet gute Laune,
    dass man nur so staune.
    Nur einmal war sie sehr gequält,
    als plötzlich ihre Tasche fehlt
    Papiere, Karten, die Unterlagen sind weg –
    so ein Schreck!

    Ihr Blutdruck steigt zu ungewohnter Zeit,
    Nervenkitzel pur –
    was mach ich jetzt nur?
    Hansi als Retter in der Not
    bringt Karoline zurück ins Lot.
    Den goldenen Flaschenöffner hat er sich hoch verdient –
    nur mit Applaus ist da nicht gedient.

    Danke für dein Temperament und Engagement
    schaffsch sogar dein eigna Mô –
    und schô wieder bringt se an Keks des Wegs.

    Wir danken dir für deine Zeit
    Und fahren mit dir zu jeder Zeit
    im Hassler-Bus
    egal wohin
    egal wie weit . . .

    Gelächter und Applaus belohnt die Angesprochenen und die kreativen Köpfe. Das Gedicht zeigt anschaulich die gute Stimmung während der Reise.

    Müde und mit vielen unvergesslichen Eindrücken stiegen alle um 22 Uhr aus dem Bus.
    Es hat sich wieder einmal gelohnt, eine Bürgerfahrt mitgemacht zu haben.

  • Dankesbrief zum Straßenfest 2018

    Dankesbrief zum Straßenfest 2018

    Unterstützung in der Straße der Partnerstädte

    Auch dieses Jahr konnte ISPAS auf die Hilfe zahlreicher Mitglieder und Freunde des Vereins bauen und so den Partnerschaftsabend und die Straße der Partnerstädte zum Erfolg führen. Nicht zuletzt auch durch die Teilnahme und das Engagement der Standbesatzungen aus Sindelfingens Partnerstädten. Dafür möchte sich die Vorsitzende Brigitte Stegmaier bedanken.

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  • Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes

    Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes

    Aufgrund der großen Nachfrage ist die Bürgerfahrt in unsere französische Partnerstadt Corbeil-Essonnesvom 28.6. bis 2.7.18 schon ausgebucht. Es können leider keine neuen Anmeldungen angenommen werden

  • 22. Mitgliederversammlung mit Neuwahlen

    22. Mitgliederversammlung mit Neuwahlen

    Alle 2 Jahre wird bei der Initiative Städtepartnerschaften Sindelfingen (ISPAS e.V.) eine neue Vereinsführung gewählt. Der Verein hatte dazu in das Odeon der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) eingeladen.
    Und das war gut so. Denn trotz Grippewelle und vorausgesagtem Blitzeis auf den Straßen nahmen 54 von 132 Mitgliedern die Gelegenheit wahr, sich über vergangene und geplante Ereignisse zu informieren und durch die Verabschiedung und Wahl des erweiterten Vorstands und der Kassenprüfer das Vereinsleben ein Stück weit mitzugestalten.

    Einstimmig gewählt wurden in den Vorstand: Brigitte Stegmaier (Vorsitzende), Alexandra Keller (Stellvertretende Vorsitzende), Ute Walker (Stellvertretende Vorsitzende), Wolfgang Trefz (Schatzmeister), Ursula Steinhübl (Schriftführerin/Pressewart) und in den erweiterten Vorstand als Sprecherinnen und Sprecher für die Partnerstädte: Chelm: Dorothea Bühler, Hildegard Stein; Corbeil-Essonnes: Christian Stepper, Sabine Liedtke; Dronfield: Dagmar Böhm, Ute Walker; Györ: Gábor Bende, N.N. (wird noch gesucht); Schaffhausen: Brigitte Stegmaier, Gudrun Stauffer; Sondrio: Italia Graziano Frazzetta, Gudrun Kemmerling; Torgau: Alexandra Keller, Ingrid Pitterle.  Als Kassenprüfer wurden Bernd Laurer und Karlklaus Klemme gewählt. Die Wahl wurde in bewährter Weise von Astrid Paul geleitet. Verabschiedet wurden die Sprecherinnen Andrea Abendroth, Torgau, und Réka Szöcs, Györ.

    Ein besonderes Anliegen war es Brigitte Stegmaier, allen Vorstandsmitgliedern und Mithelfern im Verein und außerhalb des Vereins zu danken, die ihre Zeit und ihr Engagement bei allen Aktivitäten Jahr für Jahr zur Verfügung stellen. Angeschlossen war die Bitte, den Verein auch 2018 tatkräftig zu unterstützen. Explizit dankte sie noch Simone Becker, die sich mit dem komplizierten Verfahren für das Jugendprojekt Erasmus+ auseinandergesetzt hat und mit einem Team von fünf Personen dieses Projekt stemmt. Simone Becker erläuterte später, dass die EU kein Spaßprojekt mit Theateraufführung bezuschusst, sondern das Ganze mit genauen Zielvorgaben an das politische und soziale Zusammenleben der jungen Europäer versieht. Es ist sehr wichtig, dass junge EU-Bürger das Leben und die Erfahrungen in den anderen Teilnehmerländern kennenlernen. ISPAS ist stolz, die vielen Hürden bei der Auswahl überwunden zu haben. Das Projekt fand 2017 zum achten Mal in Sindelfingen statt.

    Die Bürgerfahrten 2017 nach Torgau und nach Sondrio wurden von Alexandra Keller und Gudrun Kemmerling noch einmal in Powerpoint-Präsentationen vorgeführt und kommentiert. Dieses Jahr wird es eine Bürgerfahrt vom 28. Juni bis 2. Juli nach Corbeil-Essonnes und einen Gegenbesuch der Dronfielder vom 20. bis 24. September nach Sindelfingen geben. Auch hier werden natürlich wie zum Internationalen Straßenfest im Juni noch Helferinnen und Helfer gesucht. Der Abend klang aus mit Wiedersehensfreude und guten Gesprächen bei Fingerfood und Getränken.

    Von links: Ursula Steinhübl, Gábor Bende, Wolfgang Trefz, Brigitte Stegmaier, Hildegard Stein, Sabine Liedtke, Gudrun Kemmerling, Alexandra Keller, Christian Stepper, Ingrid Pitterle, Dagmar Böhm
    Nicht im Bild: Dorothea Bühler, Ute Walker, Italia Graziano Frazzetta, Gudrun Stauffer

    Die neuen Vorstände von links: Ursula Steinhübl, Gábor Bende, Wolfgang Trefz, Brigitte Stegmaier, Hildegard Stein, Sabine Liedtke, Gudrun Kemmerling, Alexandra Keller, Christian Stepper, Ingrid Pitterle, Dagmar Böhm.
    Nicht im Bild: Dorothea Bühler, Ute Walker, Italia Graziano Frazzetta, Gudrun Stauffer

  • Bürgerfahrt in Sindelfingens Partnerstadt Sondrio

    Bürgerfahrt in Sindelfingens Partnerstadt Sondrio

    Die Initiative Städtepartnerschaften Sindelfingen (ISPAS e.V). organisiert regelmäßig Bürgerfahrten in Sindelfingens Partnerstädte. Im Frühsommer begab man sich auf Martin Luthers Spuren nach Torgau, nun ging es in Sindelfingens italienische Partnerstadt Sondrio, ebenfalls in Kooperation mit dem Reisebüro Hassler.
    Sondrio liegt im Veltlin (Lombardei) und ist nur über die Alpen zu erreichen, deshalb war die Reisegruppe sehr froh, in den neuesten, supersicheren Bus zu steigen, der auf sie wartete.

    Gemeinschaftsfoto der Gruppe
    Gemeinschaftsfoto der Gruppe

    Auf so einer langen Busreise sind für Mitreisende und Fahrer Unterbrechungen nötig, deshalb war neben kleineren Pausen ein Stopp in St. Gallen geplant. Die Stadt beeindruckte bei der Stadtführung mit ihren prächtig geschmückten Bürgerhäusern.

    Bürgerhaus in St. Gallen
    Bürgerhaus in St. Gallen

    Sie ist mit 80 000 Einwohnern die höchstgelegene Stadt Europas (674 m ü. M.) und hat mit Stiftskirche und Stiftsbibliothek Sehenswürdigkeiten, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Auf der Weiterfahrt nach dem Mittagessen zeigte sich bei schönem Wetter die Natur in ihrer spektakulären Schönheit: glitzernde Gletscher hoch oben, Felsblöcke und Muren neben der Straße und karge, fast baumlose Öde im Hochgebirge. Erschöpft und doch aufgedreht saß man am Abend im Hotel beim gemeinsamen Essen und tauschte die Eindrücke untereinander aus.
    Die Stadtführung in Sondrio und der Empfang bei Bürgermeister Dr. Alcide Molteni musste aus terminlichen Gründen auf den vorletzten Reisetag verschoben werden, deshalb ging es in die Umgebung von Sondrio. Das hervorragend von Dr. Stefania Stoppani (Stadt Sondrio) und Dr. Gudrun Kemmerling, Italia Graziano Frazzetta, Brigitte Stegmaier (alle ISPAS) zusammengestellte Programm sah an diesem Tag vor, an Weinbergen vorbei hinauf zu einem Aussichtsturm zu fahren und anschließend über die Strada dei Vini e dei Sapori (Straße des Weins und der Köstlichkeiten) nach Teglio. Dort wurde im Hotel-Restaurant Combolo, dem Mitgründer der Accademia del Pizzocchero di Teglio, die Herstellung von und Zubereitung mit Pizzoccheri gezeigt.

    Einführung in die Herstellungnvon Pizzocheri in der Accademia in Teglio
    Einführung in die Herstellungnvon Pizzocheri in der Accademia in Teglio

    Pizzoccheri werden aus schwarzem Buchweizenmehl und Weizenmehl hergestellt und mit Saisongemüse und Kartoffeln gemischt gekocht, dann mit Veltliner Kase in eine Auflaufform geschichtet. Dieses Gericht und Sciatt, auch aus schwarzem Buchweizenmehl, waren früher bäuerliche Armeleuteessen und gelten jetzt als Aushängeschild der Veltliner Küche. Dieses Essen war eine gute Grundlage für die Weinprobe im Weingut Nino Negry. Die Zulieferung der Trauben hatte wegen des warmen Sommers schon begonnen, aber die interessante Führung durch die verschiedenen Keller konnte ungestört stattfinden.

    Weinkellerei
    Weinkellerei

    Die riesigen Weinfässer aus verschiedenen Holzarten, die auf mehreren Ebenen aufgereiht waren, und die Erklärungen dazu beeindruckten die Sindelfinger Reisegruppe sehr und bereiteten auf die anschließende Weinprobe vor. Erschöpft und gesättigt fuhr man am späten Nachmittag nach Sondrio zurück.
    Für den nächsten Tag war die Azienda Agrituristica La Fiorida vorgesehen. Das ist eine nachaltige Urlaubsfarm, in der alles aus eigener Produktion hergestellt wird. Der Produktweg in der Fiorida ist kurz und nachhaltig. Er bietet Erzeugnisse vom Stall durch die eigene Käserei

    Herstellung von Käse
    Herstellung von Käse
    Reifung von Käse
    Reife von Käse

    und Metzgerei auf die Tafel. Die totale Autonomie zeigt sich auch bei Heizung, Kühlung und Energie. Von der sorgfältigen Behandlung und dem Wohlbefinden der Tiere konnten sich alle bei der Einführung im Schulzimmer, eingerichtet für Schulkinder und Besuchergruppen, und dem Rundgang durch die Käserei, Stallungen und die übrige Anlage überzeugen. Vor dem Brunch gab es noch die Möglichkeit, sich im wohlsortierten Shop mit dem eigenproduzierten Lebensmitteln einzudecken, was viele gerne wahrnahmen.
    Zurück in Sondrio gab es Zeit zur freien Verfügung. Abends trafen sich viele aus der Gruppe auf dem Garibaldi-Platz. Dort fand ein Rockkonzert mit der Gruppe The Sun statt. Schade, dass man die Texte nicht verstand und nur ein bisschen durch die Hintergrundbilder die interessante Geschichte dieser Gruppe erfuhr. Der Auftritt war ja auch für die auffallend vielen jungen Leute auf dem Platz gedacht. The Sun war international berühmt mit Auftritten in der ganzen Welt und stürzte völlig ab. Die Band löste sich auf und fand sich wieder zusammen durch die Entdeckung, dass Gott hält und hilft. Das wollen sie nun durch ihre Liedtexte und persönlichen Lebensgeschjchten bezeugen.. Aber auch ohne dies verstanden zu haben, wippten und tanzten anwesende Sindelfinger mit.
    Sehr früh am nächsten Morgen war die Abfahrt nach Colico am Comer See. Die Fahrt mit dem Ausleger-Schnellboot nach Como war notwendig, weil die Umrundung des Sees mit dem Bus durch Straßenbaustellen sehr behindert gewesen wäre. Auch wenn die Sonne nicht strahlte, konnte man von der Seeseite aus die beeindruckende Natur und Bebauung bestaunen und bewundern. Auf dem Stadtrundgang in Como beeindruckte vor allem der Comer Dom.

    Eingangsportal der Kathedrale von Como
    Eingangsportal der Kathedrale von Como

    Er ist das drittgrößte Gotteshaus in der Lombardei neben dem Mailänder Dom und der Kartause von Pavia. Alle drei wurden Ende des 14. Jhs. gegründet, im Laufe des 15. Jhs errichtet und in den folgenden Jahrhunderten vollendet. Die Architektur des Doms ist ein gelungenes Beispiel für die harmonische Verschmelzung unterschiedlicher Epochen. Die Umsicht der Architekten sowie das Geschick und die Erfahrung der Arbeiter vereinigen die aufeinander folgenden Baustile Gotik, Renaissance und Barock innen und außen. Man muss nur immer staunen, wie solche Bauwerke in der Vergangenheit ohne moderne Hilfsmittel so beeindruckend gestaltet werden konnten. Mit Schnellboot und Bus ging es zurück nach Sondrio.
    Um 9:20 Uhr am nächsten Tag war der Treffpunkt für den Stadtrundgang die Piazza Garibaldi. Dieser Platz, eine typische Piazza aus dem 18. Jh., ist das Herz Sondrios und der Treffpunkt für alle, die die Stadt kennenlernen wollen. Von hier aus folgt man den kleinen Wegen und engen Straßen und kann so das historische Sondrio – das Sondrio der Renaissance, des Barocks und das neoklassische – und das moderne Sondrio gut zu Fuß erkunden. Es war auch den Sindelfingern wichtig, außerhalb ihrer schon selbst erlaufenen Wege durch die sachkundige und humorvolle Führung von Hannelore Geggus d’Anisi mehr über die Partnerstadt zu erfahren. Es gibt dort eben nicht nur breite Wege, sondern auch das fast vollständig erhaltene antike Bauernviertel Scarpatetti

    Bauernhäuser in der Altstadt
    Bauernhäuser in der Altstadt
    Typische Holzbalkone
    Typische Holzbalkone

    mit den typischen Bauernhäusern mit Holzbalkonen und den steinernen Gewölbedecken, die Halterungen für Öllampen und die Steinbänke zum Ausruhen. Wie lange das unberührt bleibt, weiß keiner. Es haben sich auch hier schon Leute eingekauft, die eher nicht auf Unberührtheit stehen, sondern Komfort wollen. Auf dem Weg durch das Viertel hinauf zum Castello Masegra befinden sich drei kleine dem Marienkult gewidmete Kapellen. Ganz hinauf ging die Sindelfinger Reisegruppe jedoch nicht, weil Bürgermeister Dr. Alcide Molteni zum Empfang im Rathaus gebeten hatte. Das Rathaus, der Palazzo Communale, aus dem 11./12. Jh. ist ein sehenswertes Gebäude, das den Sindelfingern nach der warmherzigen und launigen Begrüßung durch den Bürgermeister gezeigt wurde. Besonders beeindruckt waren die meisten durch das Arbeitszimmer des Bürgermeisters mit der ganz speziellen Tür.

    Empfang im Rathaus
    Empfang im Rathaus

    Als Überraschung hatte er eine erneute Weinprobe mit kleinem Imbiss in dem Kellergewölbe der lokalen Winzergenossenschaft organisiert. Danach war der restliche Nachmittag frei für ausgiebige Shoppingtouren in den reizenden kleinen Geschäften der Innenstadt. Leider waren die Lebensmittelgeschäfte nachmittags geschlossen, weil sie sonntags geöffnet hatten, und man konnte sich nicht mit dem guten Veltliner Obst für zu Hause eindecken. Ein gemeinsames Abendessen in einem typischen Innenstadtlokal beschloss den Aufenthalt in Sondrio.
    Ziemlich früh war die Abfahrt nach Tirano zur historischen Berninabahn. Die von der Rhätischen Bahn eingesetzten Triebwagen werden auch heute noch als normales Fortbewegungsmittel von A nach B genutzt. Aber auch als Touristenmagnet neben den speziellen Panaromawaggons. Die Reiseleitung hatte die normalen Waggons der Berninabahn reservieren lassen mit einem lokalen Reiseleiter, es aber leider versäumt, beim Wettergott das richtige Wetter zu bestellen. Gutgelaunt erklärte der Reiseleiter die Aussicht, die man hätte, wenn es keinen Nebel gäbe. Es war ein bisschen schade vor allem für diejenigen, die sich extra wegen der Bahn zur Bürgerfahrt entschlossen hatten, aber man konnte sich auch so die Meisterleistung der Ingenieure und Arbeiter vorstellen, die zwischen 1905 und 1910 diese schwierige Strecke bewältigen mussten. Diese eingleisige meterspurige Bahn fährt teilweise auf Straßentrassen, ist 16 688 km lang und war von Anfang an gedacht als Verbindung vom italienischen Tirano zum schweizerischen St. Moritz. Dort wurde auch die Reisegruppe aus Sindelfingen vom Bus erwartet. Erst beim Einstieg in den Bus begann es zu regnen, vorher war es auf dieser Bürgerfahrt manchmal wolkig, manchmal sonnig, aber nicht zu heiß und nicht zu kalt. Ein perfektes Klima für Städtereisen. In jeder Hinsicht perfekt.